Obwohl sich sein Album "Happy End im La La Land" einst sogar einige Wochen in den Charts hielt, blieb Stoppok doch immer so etwas wie der ewige Geheimtipp unter den deutschsprachigen Songwritern. In der gut gefüllten Pumpe erreichte der "Ruhrpottbarde" die Fans im Norden. Konventionen scheren diesen Typen nicht: Das Hemd gestreift, die Hose kariert was soll's. "Ihr seid doch nicht wegen der Optik gekommen, oder? Sonst hätte ich mir was anderes angezogen", witzelt er über seine Aufmachung. Ganz alleine auf der Bühne geht er von Anfang an auf frotzelige Tuchfühlung mit dem Publikum. Er sei das erste Mal in Kiel, erzählt er, ein Zwischenrufer protestiert und erinnert an einen Kieler-Woche-Auftritt in den 80ern. "Da spielte ich wohl noch in einer Schülerband, kann ich mich nicht mehr dran erinnern", pariert Stoppok gut gelaunt.
Das lässige Gequatsche, die launigen Kommentare begleiten den ganzen Abend, fließen ein in die Songs und verweben sich zu einem entertainigen Ganzen. Der Mann erzählt Geschichten, pausenlos, dazu begleitet er sich selbst mit überbordender Vitalität auf der oft mit Bottleneck gespielten Gitarre, stampft den Rhythmus mit dem Fuß auf einen Kofferdeckel. Die selbst gebastelte "Bassdrum" muss herhalten, denn seine Band bleibt bei dieser Solotour zu Hause. So reduziert sich zwar naturgemäß die Klangfülle des Sounds, aber die Konzentration liegt dafür ganz bei Stoppok.
Der unterhält auch solo bestens mit Songmaterial aus über zwei Jahrzehnten Schaffenszeit: eine Mixtur aus Folk, Bluegrass, Blues und Rock' n' Roll, schnoddrig in deutscher Sprache betextet. Mit dem Hinterherhetzen hinter Trends hat Stefan Stoppok nichts am Hut. "Bin immer noch derselbe, der ich war", heißt eine Liedzeile. Und die Fans in der Pumpe honorieren so viel Standing gegen den Mainstream, in dem sie auch unbekanntere Nummern mitsingen, während sich der Meister selbst locker auch mal ein paar Texhänger erlaubt.
Die Stücke handeln vom Alltag, wenn der Gerichtsvollzieher dem "nackten Mann nicht in die Tasche greifen kann", vom langsamen Zerbröseln einer Liebe in der Ballade Adam und Eva und von zickigen Frauen und gelackmeierten Kerlen im herrlich ironischen Song Nach New York Geflogen. Natürlich dürfen auch alte Hits wie Ärger nicht fehlen, oder neue wie die bissige Elternanmache Learning By Burning über allzu antiautoritär erzogene Kinder, die einmal zu viel mit dem Feuer gespielt haben. Dabei treffen seine Lyrics oft eine wunderbar sehnsüchtig-schräge Stimmung, die nölig Stoppok-mäßig gesungen, erst so richtig zur Geltung kommt.
Nur ab und zu schrammt der Mittvierziger mal ganz kurz am allzu Gefühligen entlang. Dann denkt man für einen kitschigen Augenblick an Pur, doch das geht zum Glück schnell wieder vorbei. Stoppok ist ein Vollblutmusiker. Sein wahnwitziges Fingerpicking zerschreddert schon nach drei Songs eine Gitarrensaite, doch Stoppok lässt sich nicht stören, sondern drischt virtuos bis zum Ende des Songs weiter. Und unterhält anschließend auch noch das Publikum beim Aufziehen der neuen Saite so brillant, wie es andere einen ganzen Auftritt lang nicht hinkriegen. Eben ein Typ jenseits der Konventionen.
Von Beate Jänicke, Kieler Nachrichten 19.08.2004